Vor über 100 Jahren, am 15. September 1890, haben 23 Thüringer Bergfreunde die Sektion Sonneberg gegründet. Die Sektion wuchs zügig. Bald entstand der Wunsch, ein Domizil in den Alpen zu schaffen. Salzburger Bergfreunde machten die Sektion Sonneberg im Sommer 1898 auf einen möglichen Hüttenbau im Gebiet des Hohen Göll bei Berchtesgaden aufmerksam. Dort nahm man den Vorschlag freudig auf und trieb ihn mit Unterstützung der Salzburger Kameraden, darunter der in Salzburg als Turnlehrer tätige Alpinist Ludwig Purtscheller, mit Elan voran. Ausgewählt wurde ein Platz über dem Eckersattel in etwa 1700 Meter Höhe, nördlich des Hohen Göll.
Die inzwischen über 160 Mitglieder der Sektion Sonneberg sicherten die Finanzierung so dass schon 1899 die Bauarbeiten beginnen konnten. Ein Jahr später, im Frühsommer 1900, wurde die Hütte bereits fertiggestellt und am 2. Juli 1900 als 57. Berghaus in den nördlichen Ostalpen eingeweiht. "Hütte am Hohen Göll der Sektion Sonneberg" sollte das Haus eigentlich heißen. Doch kurz vor der Fertigstellung und Einweihung starb Ludwig Purtscheller, der zu dieser Zeit wohl bedeutendste Alpinist an den Folgen eines Bergunfalls am Charpouagletscher im Montblanc-Gebiet. Zu Ehren des großen Bergsteigers, der am Entstehen des Hauses maßgeblich beteiligt gewesen war, gaben die Sonneberger nun ihrem Bergbaus den Namen "Purtschellerhaus".
Das Haus ist ganz nahe der Schneide des Eckerfirstes auf der östlichen Lehne, in einer mehr gegen Norden gerichteten Ausbuchtung erbaut, von Salzburg und Golling sichtbar. Von ihm bietet sich eine umfassende und malerische Aussicht dem Auge des Besuchers dar. Im Osten Schweift der Blick in das Salzachthal und auf die dasselbe umrahmenden Berge, dann auf die Bergketten vom Traunstein bis zum Dachstein, das Tennengebirge, im Norden über das Rossfeld und die weitem Vorlagen des Gölls nach Salzburg und in die Ebene. Im Westen sehen wir die lieblichen Gelände des Berchtesgadner Gebiets mit den sie umfassenden Bergen Untersberg und Chiemseealpen schliessen die Rundschau ab, und im Süden der Gegensatz zur weiten Fernsicht, da dräuen die himmelanstrebenden Wände des Göll schön und schauerlich zugleich und locken den Beschauer, seinen bezwingenden Fuß auf sie zu setzen.
So feierlich-getragen wie in der "Festschrift zur Feier der Eröffnung des Purtschellerhauses der Sektion Sonneberg des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins" würde man heute die Lage des Hauses kaum mehr beschreiben. Zweifellos aber gehört die Hütte auf dem Eckerfirst zu den schönstgelegenen in den nördlichen Ostalpen. Das Berghaus wurde von Bergsteigern gut besucht. Im Jahr 1907 etwa hatte es 1500 Gäste zu verzeichnen, wovon 510 übernachteten, darunter gut die Hälfte Mitglieder des Alpenvereins. 1909 beschloss man, das inzwischen zu klein gewordene Gebäude durch einen Anbau zu erweitern. Und wieder gingen die Sonneberger derart zügig ans Werk, dass schon im Sommer 1910 die feierliche Eröffnung des erweiterten Purtschellerhauses erfolgte.
In den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges konnte der Wirtschaftsbetrieb auf dem Purtschellerhaus wegen Versorgungsschwierigkeiten nicht mehr aufgenommen werden, das Haus befand sich aber weiterhin in gutem Zustand und einige Jahre später stieg auch die Zahl der Gäste wieder. Auch die folgende Zeit überstand das Purtschellerhaus unbeschadet. Ausbesserungsarbeiten am alten Haus, Hütteneinrichtungen und Wegebaumaßnahmen wurden vorgenommen, viele Pläne waren aber aufgrund der Geldentwertung der inflationären zwanziger Jahre nicht zu realisieren. 1937 regte die Sektion Sonneberg an, eine "Feststellungsverhandlung über den Verlauf der Bundes- und Reichsgrenzen" durchzuführen und damit die Grenzsituation auf dem Purtschellerhaus zu klären. Zu 1/3 liegt das Haus auf deutschem, zu 2/3 auf österreichischem Boden. Die Teilung des Gebäudes wurde damals durch Marken an den Wänden vermerkt und mittels Kreidestrich auf dem Fußboden gekennzeichnet. Dieses staatsrechtliche Kuriosum hatte zoll- und devisenrechtliche Probleme zur Folge und erschwerte die Bewirtschaftung der Hütte. Auch durch den "Anschluss" Österreichs 1938 und während des Zweiten Weltkriegs blieb das Problem ungelöst. Die groteske Grenzsituation gereichte aber nach Kriegsende vielen Menschen zum Segen.
Heute ist es wieder im vollen Besitz der Sektion Sonneberg, nachdem erst die Berchtesgadener und später die Coburger Sektion die Verwaltung übernommen hatten.