2003, die 10. Tour der Hochtourengruppe



       

Zum zehnten Mal traf sich die Hochtourengruppe der Sektion in den Alpen, um Berge zu ersteigen.
Der Treffpunkt hieß in diesem Jahr Grawaalm im Stubaital. Von den Gründungsmitgliedern, die sich vor nunmehr 10 Jahren - damals am Arlberg - trafen war leider nur eines dabei, aber immerhin traten wieder vier berghungrige Alpinisten den Aufstieg auf die Sulzenauhütte an, eine relativ neue aber nicht unsympathische Hütte in Mitten von schönen, weit über 3000 m hohen Bergen. Die Gruppe setzte sich zusammen aus zwei Fuldaer Referendaren und zwei Berliner Chemikern. Wir Berliner hatten die Anreise wieder im Nachtzug absolviert und waren entsprechend ausgeruht aber leider war keiner von uns vieren wirklich höhenangepasst, so dass eigentlich alle gut aufgewärmt und verschwitzt an der Hütte ankamen. Der für fünf Tage mit Verpflegung und Material gefüllte Rucksack tat sein übriges dazu. Eine der wesentlichen Voraussetzungen, um auf höhere Berge heraufzusteigen, ist sicherlich das Wetter, aber im Sommer 2003 war es gar nicht sonderlich schwer gutes Bergwetter zu erwischen, war es sehr warm, zu warm, wie an den massiv abschmelzenden Gletschern zu erkennen. So stellten die Gletscherbäche zumindest am Nachmittag reißende Ströme dar, die zudem in großem Umfang Steine mit lautem Getöse mitrissen, ein sicher auch nicht alltägliches Schauspiel.

Der erste Tag, ein Sonntag, stand ganz im Zeichen des Gletschers, des Sulzenauferners. Auf dessem Eis, ein herrliches Übungsgebiet mit genau der richtigen Steigung, konnten wir wieder einmal den Umgang mit Steigeisen und Pickeln üben. Unterstützt wurden wir vier bei den Übungen von einem weiteren Sektionsmitglied aus München, welches allerdings nur für den Sonntag angereist war. Nach dem wir die Eckensteintechnik, die Wende, den Dreiklang mit dem Pickel und die Frontalzackentechnik wieder intus hatten, suchten wir noch Entspannung in dem hütteneigenen Klettergarten. In Touren des III-ten Grades übten wir das Klettern mit Touren(Boller-)schuhen, eine nicht ganz alltägliche Übung für Kletterschuhverwöhnte Kletterer. Den Abend konnten wir dann noch lange nach Sonnenuntergang vor der Hütte sitzend verbringen, da es auch Abends sehr warm war, trotz 2400 m Höhe.

Alle diese am Sonntag geübten Fertigkeiten konnten wir zumindest auch an einem sehr schönen, relativ einsamen Berg in den Stubaier Alpen anwenden. Gemeint ist hier die Wilde Leck (3361 m) der Name war in diesem Fall Programm. Der leichteste Anstieg führt durch die Südwand und liegt im II-ten Grat (Stelle III). Unser Startpunkt für diese Tour war die Dresdner Hütte - die Sektion Dresden hat es übrigens auch geschafft, seit 2000 ist der Sitz wieder in Dresden. - von dort aus stiegen wir weglos über relativ festes Geröll zum Daunjoch auf. Da die Hütte erst ab 6:30 Frühstück bot, hatten wir das Frühstück kurzerhand auf unser Zimmer gelegt, so dass wir gut gestärkt auch chon früh aufbrechen konnten. Am Daunjoch musste einer der Teilnehmer leider auf den Weiterweg verzichten, da er größere Probleme mit dem Knöchel bekam und kaum noch absteigen konnte. Die restlichen Drei durften zunächst eines der typischen lockeren Geröll-joche "herunterkriechen". Danach begann ein Geltscherspaziergang über einen relativ flachen Gletscher bis hinüber zum leichten, ca. 40 ° steilen Eisbruch, der den Weg zum Einstieg versperrte. Durch ein Wirrwarr von Spalten kreuzten wir langsam den Gletscher hinauf. Bald danach erreichten wir den Einstieg in die Wand. Die Kletterführe war mit Markierungen versehen, so dass die Routenfindung kein Problem darstellte und wir uns voll auf den seilfreien Aufstieg in meist festem Fels und in herrlicher Kulisse freuen konnten. Nach einer knappen Stunde waren diese abwechslungsreichen 300 hm hinter uns und wir konnten das Gipfelglück genießen. Der Abstieg verlief ähnlich wie der Aufstieg problemlos in grandioser Umgebung, nur war es durch die Orientierung dieser Wand nach Süden sehr heiß und der Schweiß floss in Strömen. Aber Wasser gab es unten auf dem Gletscher dies Jahr genug, so dass der Durst mit Gletscherwasser, aufgewertet mit einer Brausetablette, gut gestillt werden konnte. Wieder über den gleichen Gletscher führte uns der Weg zurück, aber von oben ist die Orientierung im Spaltengewirr einfacher und wir waren schnell durch und hatten nach der Querung bald wieder das Joch erreicht. Es folgte noch der Abstieg durch das "feste Geröll" und als kleine Hürde musste noch ein stark angeschwollener Gletscherbach überwunden werden. Nach erfolgloser Suche einer schwachen Stelle, blieb nichts übrig, als die Schuhe auszuziehen und durchzuwaten. Bei Wasser von ca. 0 °C alles andere als eine angenehme Übung. Die letzten Schritte bis zur Hütte schafften wir dann auch noch und der Empfang konnte sich sehen lassen. Für jeden stand ein frisch gezapftes Radler auf dem Tisch, was wir uns auch gleich schmecken ließen. Nach dieser Tour mit gut 12 Stunden Dauer und zumeist in der prallen Sonne, waren wir alle froh, dass am nächsten Tag dann nur noch der Abstieg bevorstand. Eine schöne Tourenwoche in den Stubaier Alpen mit der Besteigung des Wilden Pfaffs, des Kleinen und Großen Tröglers, des Egesengrat-Klettersteigs ("3 an einem Tag") und der Wilden Leck war zu Ende. Aber die Berge haben uns bestimmt nicht zum letzen Mal gesehen.

Dr. Wolfgang Horn (Mitglied der Hochtourengruppe)

   
Einige Bilder mit freundlicher Unterstützung von Dr. Wolfgang Horn